von Manfred Gipp

Im April 2026 eskalierte der Konflikt zwischen der Document Foundation (TDF) und dem langjährigen Partner Collabora, was dazu führte, dass über 30 Kernentwickler, darunter viele ursprüngliche Mitbegründer, aus den Gremien ausgeschlossen wurden.  Die TDF begründete diese Maßnahme mit Verstößen gegen das deutsche Gemeinnützigkeitsrecht, da in der Vergangenheit Entwicklungsaufträge an Firmen vergeben wurden, deren Vertreter im Vorstand saßen, und die Markenrechte eingeschränkt genutzt wurden.

Die Hintergründe der Eskalation reichen bis ins Jahr 2020 zurück, als Spannungen um die Finanzierung, die Einführung einer „Personal Edition" und die geplante Parallelorganisation TDC zunahmen.  Michael Meeks, CEO von Collabora und ehemaliger TDF-Vorstand, warf der Stiftung vor, das meritokratische Prinzip aufgegeben und das Membership Committee mit technikfremden Personen besetzt zu haben, um die Kontrolle über die Projektrichtung zu behalten.

Die Folgen des Bruchs sind tiefgreifend:

  • Collabora konzentriert sich nun verstärkt auf sein eigenes Produkt Collabora Office (CODA), das technologisch von LibreOffice abgekoppelt ist und beispielsweise auf Java und Datenbanken verzichtet.
  • Die TDF versucht, den Verlust der Entwickler durch eigene Neurekrutierungen und neue Partnerschaften auszugleichen, während Collabora behauptet, Millionen in die Entwicklung investiert zu haben, ohne angemessen zurückzuzahlen.
  • Der Streit umfasst auch die Wiederbelebung von LibreOffice Online durch die TDF, was von Collabora als Ressourcenverschwendung kritisiert wird, da bereits eine funktionierende Lösung existiert.

Zusammenarbeit!

Auf jeden Fall betrifft das eine der wichtigsten Programme, die wir alle brauchen. Ein Zwist und eine Abspaltung schaffen zwar meist auch immer etwas Neues und mehr Auswahl, aber unendliche Ressourcen gibt es ja auch nicht, wenn etablierte Entwickler seit langer Zeit an so einem Projekt arbeiten. Es ist immer schade, wenn man verbal und meinungsmäßig nicht mehr zusammen an einem Tisch sitzen will, um Dinge zu klären, statt beleidigt auseinanderzugehen.

So verwunderlich ist das ja nicht, wo doch nun Jahrzehntelang in den Gesellschaften die Übernahme von Verantwortung immer mehr abgelehnt wird, dafür die „anderen“ jedoch angeklagt werden, wenn mal etwas nicht so richtig gelaufen ist. Wieder andere führen bei so etwas dann gleich Kriege.

Weltweit kommt immer mehr die Balance zwischen Machtanspruch und demokratischer Umgangskultur aus dem Gleichgewicht.

Aber wen wundert das, wo uns eben alle vormachen, dass dies ja wohl der „richtige“ Weg ist miteinander/gegeneinander zu leben – puh!

Zurück zur Newsübersicht

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 1 und 3?